Forum Asbest: Nachbericht und Ausblick

Das 28. Forum Asbest, das vom 21. bis 22. November 2019 wie immer im Essener Haus der Technik stattfand, war ein beachtlicher Erfolg. Bereits Wochen vor dem Termin war die traditionsreiche Tagung ausgebucht. Neben der allgemein eher noch zunehmenden Bedeutung des Themas Asbest (und andere Schadstoffe in technischen Anlagen und Bauwerken) sind es aktuell außerdem die sich ändernden beziehungsweise hinzukommenden Regelungen, die für großen Informationsbedarf sorgen. 

Wie bereits in den drei vorangegangenen Jahren lag die Leitung in den erfahrenen Händen von Dr. rer. nat. Bernd Sedat, der zuvor bereits viele Male beim Forum Asbest als Referent aufgetreten ist. Gemeinsam mit zahlreichen weiteren Experten aus Forschung, Unternehmen, BGs und Behörden führte Sedat durch das umfangreiche Programm, das aktuelle Entwicklungen und Erfahrungen mit dem besonderen Augenmerk auf die Anwendbarkeit in der Praxis vorstellte und diskutierte. 

Lesen Sie im Folgenden einen Nachbericht zum 28. Forum Asbest von Michael Henke, Programm-Manager bei B+B Bauen im Bestand.

Informationen zum nächsten HDT-Forum Asbest, das vom 5. bis 6. November 2020 in Essen stattfinden wird, finden Sie hier: https://www.hdt.de/W-H020-11-547-0

Außerdem möchten wir Sie auf eine interessante Begleitveranstaltung hinweisen, den „Praxistag zum Forum Asbest“. Dieser ist für den Vortag des Asbest-Forums geplant: Am 4. November 2020 bieten wir – ebenfalls im Essener Haus der Technik – insbesondere Neu- und Quereinsteigern sowie jungen Sachkundigen einen roten Faden zur Schadstoffsanierung. Gewinnen Sie durch praxisorientiertes Know-how schnell mehr Sicherheit in der Anwendung von Regeln und Vorschriften bei der Ausführung von Arbeiten in der Gebäudeschadstoffsanierung. Weitere Informationen und Anmeldung unter https://www.hdt.de/W-H020-11-548-0

 

 

Es tut sich was

Was waren auf dem 28. Forum Asbest die wichtigsten Tagungsinhalte aus B+B-Sicht? Nun, Martin Kessel wusste zu berichten, dass die ATV DIN 18448 „Arbeiten an schadstoffbelasteten baulichen und technischen Anlagen“, die wegen Widerstands des Baugewerbes Ende vergangenen Jahres nicht eingeführt werden konnte, nun doch auf einem guten Weg sei. Am 13./14. Januar 2020 wird sie im Hochbauausschuss des Deutschen Instituts für Normung (DIN) in 2. Lesung behandelt. Es sieht danach aus, dass sie doch noch Eingang in die VOB/C findet.

Außerdem ging Kessel anhand von Beispielen auf die VDI 3876 „Messen von Asbest in Bau- und Abbruchabfällen sowie daraus gewonnenen Recyclingmaterialen – Probenaufbreitung und Analyse“ ein. Noch nicht abschließend geklärt ist das Problem, ab wann Bau- und Abbruchabfälle sowie Recyclingmaterial als asbestfrei angesehen werden können. Denn es ist nicht verboten, für Bauprodukte Gesteinskörnungen einzusetzen, die einen geringen „natürlichen“ Asbestgehalt aufweisen. Die Klärung dieser Frage wird angesichts knapper werdender Deponiekapazitäten zunehmend wichtig.

Wie schon auf dem AGÖF-Fachkongress wurden die Leitlinien zur Asbesterkundung vorgestellt. Sie verstehen sich als praktische Hilfestellung und definieren eindeutig die anlassbezogene Erkundungspflicht für vor 1993 errichtete Gebäude. Typischer Anlass sind zum Beispiel anstehende Sanierungs- oder Renovierungsarbeiten. So kann die Erkundung zukünftig in die Angebotsphase einbezogen werden.

TRGS 519 wurde geändert

Andrea Bonner und Andreas Feige-Munzig wiesen darauf hin, dass der Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) in seinen „Leitlinien zur Gefahrstoffverordnung“ (LV 45) den Begriff der „funktionalen Instandhaltung“ eingeführt hat. Dadurch können Arbeiten an asbesthaltigen Materialien eventuell zulässig sein. Bei Eingriffen in (asbesthaltige) Oberflächen sind aber emissionsarme Verfahren vorgeschrieben beziehungsweise ist im Vorfeld eine Asbestsanierung durchzuführen.

Zwei neue BT-Verfahren (43 und 44) zum Abtrag asbesthaltiger Wand- und Deckenbekleidungen haben die Zulassung bekommen. Beim Einsatz dieser Verfahren und der Ausführung durch entsprechend geschultes Personal können die Aufwendungen für den Arbeitsschutz geringer ausfallen. Olaf Dünger kritisierte allerdings in seinem Vortrag, dass die Maßnahmen in der Praxis nicht immer emissionsfrei umgesetzt werden können, gerade an Ecken und Kanten. Daher könne es unbemerkt zu hohen Faserfreisetzungen kommen.

Überhaupt standen die BT-Verfahren auf dem Forum Asbest in der Kritik. Ihre Neubewertung und Überarbeitung sei dringend erforderlich, sagte zum Beispiel Robert Küpper, der in seinem Schlussvortrag alle Verfahren einer Praxisbewertung unterzog.

Diese Verfahren spielen für die aktuellen Änderungen und Ergänzungen der TRGS 519 „Asbest: Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten“ eine Rolle. Diese wurde nicht grundlegend novelliert, da als übergeordnetes gesetzliches Regelwerk weiterhin die Gefahrstoffverordnung (mit Stand April 2017) gilt und hier umfassendere Änderungen noch ausstehen. Allerdings wurden die Arbeiten an asbesthaltigen Putzen, Spachtelmassen und Fliesenklebern integriert. Neu ist in Anlage 9 eine Exposition-Risiko-Matrix, die in der Art eines Ampelsystems anhand der zu erwartenden Faserfreisetzung (Akzeptanz- und Toleranzkonzentrationen) Schutzmaßnahmen und Qualifikation der Ausführenden beschreibt.

Neu ist auch die Einführung eines modular aufgebauten aufgaben- und risikobezogenen Qualifikationssystems für die Asbestsanierung, das sich auf das Ampelsystem bezieht. Das Lehrgangskonzept und die Entwicklung von E-Learning-Modulen sind im Aufbau. Darüber hinaus lässt die TRGS 519 jetzt Entstauber und Luftreiniger der Klasse M zu, wenn gleichzeitig anerkannte emissionsarme Verfahren in Verbindung mit abgestimmten staubarmen Bearbeitungsverfahren eingesetzt werden.

Regelwerk zur Probennahme wurde kritisch diskutiert

Kritisch diskutiert wurde in Essen ebenfalls der von Martin Kessel vorgestellte Entwurf der VDI-Richtlinie 6202 Blatt 3 „Schadstoffbelastete bauliche und technischen Anlagen – Asbest – Erkundung und Bewertung“. Dabei zeigte sich vor allem zweierlei: zum einen besteht die Befürchtung, dass die getroffenen Empfehlungen zum Untersuchungsumfang, um eine ausreichend hohe Aussagesicherheit zu gewährleisten, überdimensioniert sind. Zum anderen zeigte sich in der Diskussion, dass sich der Untersuchungsumfang durch die Erfahrung eines Gutachters gut eingrenzen lässt. Mithilfe des Gutachterfaktors, der in der Leitlinie allgemein berücksichtigt ist, kann durch gezielte Auswahl der Probestellen der Aufwand verringert werden. Kessel forderte eindringlich dazu auf, etwaige Bedenken und Änderungswünsche bis zum Ende der Einspruchsfrist am 31. März 2020 schriftlich einzureichen.

Mit weniger Staub Oberflächenbeschichtungen abtragen

Auf großes Interesse stieß der Vortrag von Christoph Hohlweck über Entschichtungstechniken in der Gefahrstoffsanierung, wobei er insbesondere auf neuere abrasive Verfahren einging. Ein Beispiel ist das Fräsen mit einer Trommelfräse, die mit der Hand oder an einem Gestell automatisch geführt werden kann. Der Vorteil ist, dass das abgetragene Material nicht durch die Zentrifugalkräfte wie zum Beispiel bei Diamantschleifern nach außen gedrückt wird, sondern in Richtung der Absaugung. So wird weniger Staub freigesetzt. Dieses Verfahren ist neu als BT-Verfahren zugelassen (siehe oben).

Ein zweites Beispiel ist das Schwammstrahlen. Hier wird das Strahlmittel zusammen mit kleinen Schwämmen aus Polyurethan auf die Oberfläche geschossen. Die Schwämme verhindern, dass Strahlmittel und Abtrag als Partikel vom Rückprall in die Umgebung geschleudert werden. Auch hier entsteht weniger Staub. Deshalb ist zum Beispiel keine spezielle Strahl-PSA erforderlich. Das Strahlmittel kann mehrfach verwendet werden.

Dieser Nachbericht ist ursprünglich erschienen in: B+B Bauen im Bestand, Ausgabe 7/2019 

Weitere Informationen unter https://www.bauenimbestand24.de

 

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