
VDE-AR-N 4110 und 4120 in der Praxis – Planung, Zertifizierung und Netzanschluss
Sie lernen Schritt für Schritt, wie Erzeugungsanlagen im Mittel- bzw. Hochspannungsnetz nach den Vorgaben der VDE-AR-N 4110 bzw. VDE-AR-N 4120 geplant, zertifiziert und in Betrieb genommen werden. Neben der praktischen Umsetzung der aktuellen Anforderungen wird auch die neue VDE-AR-N 4110/4120:2026 ausführlich vorgestellt, eingeordnet und mit den bisherigen Regelungen verglichen. Von den rechtlichen und technischen Grundlagen über die Anlagenzertifizierung bis hin zu Regel- und Schutzkonzepten werden alle wesentlichen Themen anhand praxisnaher Beispiele vermittelt.
Im Mittelpunkt steht die praktische Umsetzung: Gemeinsam werden typische Planungsunterlagen, Formulare und Nachweise bearbeitet sowie der Ablauf einer Anlagenzertifizierung inklusive Konformitätserklärung nachvollzogen. So erhalten Sie das notwendige Wissen, um Projekte sicher zu planen, effizient mit Netzbetreibern zusammenzuarbeiten und typische Fehler bereits im Vorfeld zu vermeiden.
Zum Thema
Der Anschluss großer Erzeugungsanlagen an das Mittelspannungsnetz ist heute deutlich anspruchsvoller als noch vor wenigen Jahren. Neben den technischen Anschlussregeln müssen zahlreiche Nachweise, Zertifikate und Dokumentationen erstellt und die Anforderungen des jeweiligen Netzbetreibers berücksichtigt werden.
Dieses Seminar vermittelt die erforderlichen Kenntnisse für die praktische Umsetzung der VDE-AR-N 4110 bzw. VDE-AR-N 4120. Anhand realitätsnaher Beispiele, Einstell-, Schutzprüfprotokollen erfahren Sie, wie Anlagen geplant, zertifiziert und erfolgreich in Betrieb genommen werden. Darüber hinaus werden Regel- und Schutzkonzepte sowie typische Fragestellungen aus der täglichen Projektpraxis behandelt.
Zielsetzung
Nach dem Seminar können Sie:
- Erzeugungsanlagen nach VDE-AR-N 4110 bzw. 4120 fachgerecht planen.
- Die neue VDE-AR-N 4110/20:2026 einordnen und anwenden.
- den Ablauf einer Anlagenzertifizierung sicher begleiten.
- die erforderlichen Unterlagen und Formulare korrekt erstellen und bewerten.
- Regel- und Schutzkonzepte verstehen und in der Praxis anwenden.
- Parametrierung von WR und EZA-Regler nachvollziehen/durchführen.
- typische Fehler bei Netzanschluss und Inbetriebnahme vermeiden.
Teilnehmerkreis
Das Seminar richtet sich an Fach- und Führungskräfte, die Erzeugungsanlagen und Batteriespeicher im Mittel- und Hochspannungsnetz planen, errichten, prüfen oder betreiben. Angesprochen sind insbesondere:
- Planungs- und Projektingenieure
- Elektroplaner und Anlagenerrichter
- Netzbetreiber und Netzplaner
- Betreiber von Erzeugungsanlagen und Speichersystemen
- Zertifizierungsstellen und Sachverständige
- Hersteller von Erzeugungsanlagen, EZA-Reglern und Schutztechnik
- Mitarbeiter von Stadtwerken, Energieversorgern und Ingenieurbüros
Vorkenntnisse in der elektrischen Energieversorgung und den Grundlagen der Netzanschlusstechnik sind von Vorteil.
Programm
- Die neue VDE-AR-N 4110/4120:2026 – Änderungen und praktische Auswirkungen
- Normative und rechtliche Grundlagen (NELEV, EAAV, VDE/FNN TAR 4105/10/20)
- Anlagen-, Einheiten- und Komponentenzertifikate
- Entscheidungshilfe Anlagenzertifizierungspflicht oder EAAV-Nachweis
- Praxisbeispiele VDE-AR-N-konformer Anlagen
- Beitrag zur Netzstabilität (statisch/dynamisch)
- Notwendige Unterlagen und Qualität für die Anlagenzertifizierung
- Korrektes Ausfüllen der relevanten Formulare (E.8, E.9)
- Ziel: Eingeschränkte Betriebserlaubnis
- Parametrierung von EZA-Regler und Erzeugungseinheit
- Prüfprotokolle für normgerechtes Verhalten
- Korrektes Ausfüllen der relevanten Formulare (E.10, E.11)
- Ziel: Endgültige Betriebserlaubnis
- Schnittstellen zur Fernwirktechnik (TRE, FRE, FWT)
- Aufbau und Varianten von Regelkonzepten (EZA-Regler)
- Vorgaben richtlinienkonform und netzdienlich stellen (Netzbetreiber) und Umsetzen (Planer)
- Pav,e-Überwachung im Regelkonzept
- Mögliche Abweichungen beim Aufbau von Anlagen im Bestand
- Anforderungen an die Wandler für die Regelung
- Schutzorgane: UMZ, Erdschluss, Distanz, Q-U-Schutz, üEKS, zEKS
- Vorgaben richtlinienkonform stellen (Netzbetreiber) und Umsetzen (Planer)
- Schutzprüfung gemäß TR8: Inhalt und Ablauf
- Pav,e-Überwachung im Schutzkonzept
- Wie sieht eine vollständige Schutzprüfung gemäß VDE-AR-N 4110 bzw. TR3 aus
- Mögliche Abweichungen beim Aufbau von Anlagen im Bestand
- Anforderungen an die Wandler für den Schutz
- Abgrenzung 4110 vs. 4120 – Wann gilt welche Anschlussregel
- Verschärfte technische Anforderungen in der Hochspannung
- Anlagenzertifizierung nach VDE-AR-N 4120 – Unterschied und Mehraufwand
- Konsequenz für Planung, Regelkonzepte und Bestandsanlagen
Referenten
Fachreferent & Geschäftsführer Volt Vision GmbH
- M. Sc. Nachhaltige Energiesysteme
- 3,5 Jahre in der Anlagen- und Komponentenzertifizierung beim TÜV Rheinland tätig
- Seit 2,5 Jahren Geschäftsführer der Volt Vision GmbH
- Dozent für VDE-AR-N 4110 mit über 75 gehaltenen Seminaren
- Über 300 erfolgreich begleitete Zertifizierungen (Typ A/B)
- Spezialisiert auf die AC-seitige Planung großer Erzeugungsanlagen
- Erfahrung in SLD-Erstellung, Regel- und Schutzkonzepten
- Durchführung von Inbetriebnahmen, Netzberechnungen und Simulationen
Hinweise
Bitte beachten Sie auch das Seminar Schutzkonzepte und Schutzprüfungen für regenerative Erzeugungsanlagen.
Mehr zu diesem Thema
Häufige Fragen zu VDE-AR-N 4110 und 4120 in der Praxis, zu Planung, Zertifizierung und Netzanschluss
1. Was regelt die VDE-AR-N 4110?
Die VDE-AR-N 4110 ist die technische Anschlussregel für den Anschluss und Betrieb von Kundenanlagen am Mittelspannungsnetz. Sie beschreibt unter anderem Anforderungen an Erzeugungsanlagen, Batteriespeicher, Schutztechnik, Regelung und Nachweise. Für Planer, Anlagenbetreiber, Errichter und Netzbetreiber ist sie eine wichtige Grundlage bei der Planung, Zertifizierung und Inbetriebnahme von Anlagen. Das HDT vermittelt mit seinem Seminar die relevanten Anforderungen besonders praxisnah.
2. Was ist zum Gültigkeitsbereich der VDE-AR-N 4110 zu sagen?
Die VDE-AR-N 4110 gilt nicht nur für Erzeugungsanlagen (EZA), sondern explizit auch für reine Bezugsanlagen (Verbraucher) sowie für gemischte Anlagen.
Stichwort Erzeugungsanlagen-Zertifikat: In der Praxis ist die VDE-AR-N 4110 das Kernregelwerk, welches festlegt, ab wann ein Anlagenzertifikat (Typ A, B oder C je nach Leistung, i. d. R. ab 135 kW) zwingend erforderlich ist.
3. Wofür steht die VDE-AR-N 4120?
Bei der VDE-AR-N 4120 handelt es sich um die technische Anschlussregel für Kundenanlagen am Hochspannungsnetz. Sie definiert Anforderungen an Planung, Netzanschluss, Betrieb und Nachweisführung von Erzeugungsanlagen und weiteren Kundenanlagen. Besonders bei größeren Energieerzeugungsanlagen und komplexen Netzanschlussprojekten spielt sie eine zentrale Rolle. Das HDT erläutert im Rahmen seines Seminars die praktischen Anforderungen der VDE-AR-N 4110 und 4120 sowie deren Anwendung im Projekt.
Zu den Leistungsgrenzen und der Zertifizierung ist darüber hinaus zu sagen: Im Gegensatz zur Mittelspannung (wo es gestaffelte Zertifikate ab 135 kW gibt) erfordern Anlagen im Hochspannungsnetz grundsätzlich immer ein Anlagenzertifikat Typ A – unabhängig von der Anlagengröße.
Übrigens: Die Regel betrifft neben klassischen Erzeugungsanlagen (EZA) und Speichern verstärkt auch Mischtechnik sowie die Bereitstellung von Blindleistung zur Spannungshaltung, was in der Hochspannung netzkritisch ist.
4. Worin unterscheiden sich VDE-AR-N 4110 und VDE-AR-N 4120?
Der wesentliche Unterschied liegt in der jeweiligen Netzebene: Die VDE-AR-N 4110 betrifft das Mittelspannungsnetz, während die VDE-AR-N 4120 Anforderungen für das Hochspannungsnetz beschreibt. Beide technischen Anschlussregeln behandeln jedoch vergleichbare Themen wie Netzanschluss, Erzeugungsanlagen, Zertifizierung, Schutz- und Regelungstechnik. Welche Regel im konkreten Projekt relevant ist, hängt insbesondere vom Netzanschlusspunkt und der jeweiligen Anlagenkonstellation ab.
5. Was ist ein Anlagenzertifikat und welche Arten gibt es?
Ein Anlagenzertifikat dokumentiert, dass die elektrische Auslegung und das geplante Verhalten einer Erzeugungsanlage die relevanten technischen Anforderungen erfüllen. Im Zertifizierungsprozess werden unter anderem Erzeugungseinheiten, Komponenten, Regelung, Schutztechnik und projektspezifische Parameter bewertet. Je nach Anlagenkonstellation können unterschiedliche Zertifizierungsverfahren und Zertifikatsarten relevant sein.
6. Wann ist eine Anlagenzertifizierung erforderlich?
Ob eine Anlagenzertifizierung erforderlich ist, hängt von der Art, Leistung und technischen Ausgestaltung der Erzeugungsanlage sowie den geltenden regulatorischen und normativen Anforderungen ab. Besonders bei größeren Erzeugungsanlagen und bestimmten Speichern ist eine strukturierte Prüfung der Nachweispflichten notwendig. In unserem Seminar werden die Entscheidungshilfe zur Anlagenzertifizierungspflicht, relevante Nachweise sowie die praktische Vorbereitung eines Zertifizierungsprozesses ausführlich behandelt.
7. Wie läuft die Anlagenzertifizierung einer Erzeugungsanlage ab?
Die Anlagenzertifizierung beginnt bereits während der Planung und umfasst die Zusammenstellung technischer Daten, Nachweise und projektspezifischer Unterlagen. Anschließend werden die elektrischen Eigenschaften, Regelkonzepte und relevanten Komponenten bewertet. Nach der Errichtung folgen Inbetriebnahme, Prüfungen und weitere Nachweisdokumente. Unser Seminar zeigt praxisnah den gesamten Prozess der Anlagenplanung und -zertifizierung – einschließlich notwendiger Unterlagen und typischer Fehlerquellen.
8. Welche Unterlagen werden für die Anlagenzertifizierung benötigt?
Für die Anlagenzertifizierung werden projektspezifische technische Unterlagen und Nachweise benötigt. Dazu können Daten zu Erzeugungseinheiten, Speichern, Transformatoren, Schutztechnik, EZA-Reglern und Regelkonzepten gehören. Auch Einheiten- und Komponentenzertifikate sowie Planungs- und Prüfunterlagen spielen eine wichtige Rolle. Beim HDT erfahren Teilnehmende, welche Dokumente erforderlich sind und worauf im Hinblick auf deren Vollständigkeit und Qualität zu achten ist.
9. Was ist ein EZA-Regler und welche Aufgabe hat er?
Der EZA-Regler ist eine zentrale Komponente für die Regelung einer Erzeugungsanlage. Man könnte sogar so weit gehen, den EZA-Regler als „Gehirn“ der Anlage zu beschreiben. Er ist auch die direkte Schnittstelle für die Kommunikation mit dem Netzbetreiber, setzt vorgegebene Anforderungen und Sollwerte um und koordiniert das Verhalten der angeschlossenen Erzeugungseinheiten oder Speicher. Dabei spielen beispielsweise Wirk- und Blindleistung sowie das Verhalten bei Netzereignissen eine Rolle.
Gut zu wissen: Nach Besuch des HDT-Seminars sind Teilnehmende in der Lage, die Parametrierung von EZA-Reglern nachzuvollziehen respektive selbst durchzuführen.
10. Welche Anforderungen gelten für Batteriespeicher am Mittelspannungsnetz?
Batteriespeicher können je nach Betriebsweise und Netzanschluss unterschiedlichen Anforderungen der technischen Anschlussregeln unterliegen. Entscheidend ist unter anderem, ob und wie der Speicher im Netzparallelbetrieb elektrische Energie abgibt. Für Planung und Zertifizierung müssen deshalb Betriebsmodus, Anschlusskonzept, Schutztechnik und Regelung sorgfältig betrachtet werden.
Unser Seminar wendet sich übrigens unter anderem speziell an Fach- und Führungskräfte, die Batteriespeicher im Mittel- und Hochspannungsnetz planen, errichten, prüfen oder betreiben wollen.
11. Was ist eine Konformitätserklärung für Erzeugungsanlagen?
Die Konformitätserklärung, oft auch als „Konformitätsstudie“ bezeichnet, ist ein wichtiger Bestandteil der Nachweisdokumentation nach Errichtung und Prüfung einer Erzeugungsanlage. Sie ist keine Eigenerklärung des Errichters, sondern wird von einer akkreditierten Zertifizierungsstelle ausgestellt.
Als finaler Schritt des 2-stufigen Zertifizierungsverfahrens bezieht sich die Konformitätserklärung auf die Umsetzung der projektspezifischen Anforderungen und die dokumentierten Prüfungen. Voraussetzung ist eine sorgfältige Zusammenstellung aller relevanten Unterlagen. Im Seminar werden Konformitätserklärung, Parametrierung von EZA-Reglern und Erzeugungseinheiten sowie erforderliche Prüfprotokolle und Formulare praxisorientiert behandelt.
12. Welche Rolle spielen Schutzkonzept und Schutzprüfung beim Netzanschluss?
Ein abgestimmtes Schutzkonzept trägt dazu bei, dass Erzeugungsanlagen und Speicher bei Netzereignissen norm- und projektspezifisch reagieren. Die Schutzprüfung dient dem Nachweis, dass Einstellungen, Funktionen und Schutzketten korrekt umgesetzt wurden. Dabei müssen technische Anschlussregeln, Vorgaben vom Netzbetreiber und die konkrete Anlagenplanung berücksichtigt werden. Das HDT vermittelt mit seinen Seminaren und Weiterbildungen die genauen praktischen Zusammenhänge zwischen Schutztechnik, Regelung, Zertifizierung und normgerechter Inbetriebnahme.
13. Welche aktuellen Änderungen der VDE-AR-N 4110 und 4120 sind für Projekte relevant?
Technische Anschlussregeln werden weiterentwickelt, weshalb Planer und Betreiber aktuelle Fassungen, Übergangsregelungen und projektspezifische Anforderungen berücksichtigen müssen. Änderungen können beispielsweise Anschlussprozesse, Nachweisverfahren, Schutztechnik, Modelle oder Formulare betreffen.
Im Seminar werden die für die praktische Planung und Zertifizierung relevanten Entwicklungen eingeordnet. Dadurch können Teilnehmende ihre Projekte besser auf aktuelle technische und regulatorische Anforderungen ausrichten.
14. Für wen empfiehlt sich die Teilnahme an einer Schulung zur VDE-AR-N 4110 und 4120?
Eine VDE-AR-N-4110- und VDE-AR-N-4120-Schulung eignet sich insbesondere für Planer, Projektierer, Errichter und Betreiber von Erzeugungsanlagen und Speichern. Auch Fachkräften aus Netzbetrieb und Energietechnik ist die Teilnahme zu empfehlen – sowie Personen, die mit Anlagenzertifizierung, Netzanschluss, Schutztechnik oder Regelkonzepten arbeiten. Teilnehmende profitieren insgesamt vom praxisorientierten Ansatz, der gezielt die fachlichen Grundlagen mit konkreten Beispielen aus Planung, Zertifizierung und Inbetriebnahme verbindet.
Preise
mehrwertsteuerfrei, einschließlich veranstaltungsgebundener digitaler Arbeitsunterlagen sowie Catering und Getränken bei Präsenz-Teilnahme
Ausgewählter Termin
Fr. 11.12.2026, 16:00 Uhr
Hollestr. 1
45127 Essen
Digitaler Campus
Ansprechpartner
info@hdt.de
+49 201 1803-1
Katrin Dietz
k.dietz@hdt.de
+49 201 1803-462