Kein Osterfest wie jedes andere

Kein Jahr, kein Osterfest wie jedes andere: Mehl und Öl sind in den Läden weggehamstert, der Feiertagseinkauf kostet plötzlich ein Drittel mehr als sonst und die Süßigkeiten von einem der größten Hersteller sind mit Salmonellen verseucht, was den Mythos vom „gesunden Naschen“ vollends als eben solchen entlarvt. Mit was für Nebensächlichkeiten wir uns doch beschäftigen dürfen. Derweil geht es zwei Flugstunden weiter östlich für ein ganzes Volk um alles oder nichts, werden Menschen zu Tausenden abgeschlachtet … 

Die schwer auszuhaltende Widersprüchlichkeit dieser Welt

Dieses Frühjahr führt uns allen – den jüngeren Menschen teilweise erstmals – überdeutlich die nur schwer auszuhaltende Widersprüchlichkeit dieser Welt vor Augen. Friedensbewegt scheuen wir in historisch gut begründbarer Weise seit Jahrzehnten weitestgehend jede Einmischung in Konflikte. Gleichzeitig sind wir unter den größten Waffenexporteuren und beliefern sogar Staaten, die weit von einer demokratischen, freiheitlichen Verfasstheit entfernt sind. Nur um festzustellen, dass wir selbst in der waffenstarrenden Welt von heute nicht im mindesten auf einen Angriff von außen vorbereitet sind. Die bittere Ironie in Zeiten der Nullzinsen lautet: die Friedensdividende fällt aus. Über zwei Jahrzehnte lang allein auf sie zu setzen, erweist sich heute als einer der größten Fehler der bundesdeutschen Geschichte.

Europa muss zur Friedensmacht werden

Osterzeit ist Friedenszeit, traditionell die Zeit der Ostermärsche. Und das ist gut so. Zu den Widersprüchen dieser Welt gehört nämlich leider auch, dass man sich den Frieden wünschen, ja ihn mit allem Nachdruck fordern kann – während man sich zugleich auf einen Krieg vorbereiten muss, um ihn im Zweifelsfall verhindern zu können. Und um nicht dauerhaft zum Zuschauen verdammt zu sein, wenn kaltblütige Despoten – noch dazu mithilfe von unserem für Gas, Öl und Kohle bezahlten Geld – unsere europäischen Schwestern und Brüder ermorden. Mit Rüstungseuphorie oder gar Kriegstreiberei hat das übrigens nichts zu tun.

Der Mensch, daran sollten wir uns dieser Tage erinnern, ist nicht nur für seine Taten verantwortlich, sondern zugleich für das, was er unterlässt. Viel zu lange haben wir weggeschaut, wenn irgendwo Diktatoren andere Länder überfielen. Nun, da der Krieg zu uns nach Europa gekommen ist, fällt uns auf, dass wir eben nicht auf „Inseln der Seligen“ leben. Eine der dringlichsten Aufgaben unserer Zeit ist daher die Vollendung des europäischen Projekts. Europa muss endlich seine Rolle ausfüllen, die es eigentlich längst gefunden hatte – als große Friedensmacht. Nur so kann es an der Seite seiner westlichen Verbündeten in einer Welt bestehen, in der einige immer mächtiger werdende, nuklear bewaffnete Staaten den Beweis zu erbringen versuchen, dass ihr auf der Unterdrückung des Individuums fußendes System dem unseren überlegen ist.

Im Namen des gesamten HDT-Teams wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie Ostertage in Gesundheit und Frieden.

Herzlichst
Michael Graef

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