Editorial: Ein teures Erwachen

Hier ein bisschen Gas und dort ein wenig Kohle und Öl zusammenzukratzen, um dem Energie-Schock zu entgehen – der größten Volkswirtschaft Europas mag das nicht würdig sein. Doch es hilft kein Klagen, jetzt muss der Preis für den politischen Irrweg der vergangenen zwei Jahrzehnte bezahlt werden. Viel zu spät erinnert man sich in Berlin daran, dass Energiepolitik immer zugleich Sicherheitspolitik ist.

Manche Beobachter gehen deutlich weiter und fordern eine Debatte darüber, woher hierzulande künftig überhaupt noch Wachstum kommen soll, während zeitgleich ein anderes jahrelanges Tabu fällt: Endlich wird die Gefährlichkeit der Abhängigkeit von China offen diskutiert.

Anlass für Optimismus?

Wer für die Zeit nach der Pandemie auf ruhigeres Fahrwasser gehofft hatte, erlebt eine schwere Enttäuschung. Lässt sich wenigstens Optimismus aus der Tatsache ziehen, dass die Generationen vor uns viele teils schwerere Krisen gemeistert und scheinbar Unmögliches geschafft haben?

Wir jedenfalls denken dieser Tage oft an Heinrich Reisner. Man nannte den HDT-Gründer, der zugleich Ingenieur, Wasserwirtschaftler, Hydrologe und Schriftleiter war, nicht ohne Grund „Synoptiker der Technik“. Bei ihm war eine seltene Fähigkeit besonders ausgeprägt. Reisner konnte die verschiedensten Felder überblicken, Komplexität begreifen, Entwicklungen antizipieren und daraus Strategien ableiten. Also all das, woran wesentliche Teile der Politik – wie wir heute mit Gewissheit sagen können – seit Langem scheitern.

Tradition verpflichtet

An Heinrich Reisner denken wir aktuell auch deshalb, weil sich 2022 die Gründung des HDT zum 95. Mal jährt, nämlich am 21. November. Für uns ist das eine Verpflichtung. Wir wollen Sie weiterhin zuverlässig begleiten. Fundiert, interdisziplinär und mit einem klarem Fokus auf Praxisrelevanz. Eben so, wie es bei uns traditionell üblich ist.

Herzlichst
Michael Graef

Chefredakteur des HDT-Journals 

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