Kalenderblatt: Gründung der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) – 30. Mai 1975

Um nicht dauerhaft von den seinerzeit führenden Raumfahrtnationen USA und UDSSR abhängig zu bleiben und die verschiedenen europäischen Raumfahrtaktivitäten aufeinander abstimmen zu können, wurde heute vor 47 Jahren die Europäische Weltraumorganisation (ESA für englisch European Space Agency respektive ASE für französisch Agence spatiale européenne) gegründet. Gemäß Übereinkommen trat die Gründung am 30. Oktober 1980 in Kraft. Sitz ist seither die französische Hauptstadt Paris. Zu den zehn Gründungsmitgliedern (inzwischen ist die Zahl der Mitgliedsstaaten auf 22 angewachsen) gehört auch Deutschland.

Die gemessen an Mitteln und Mitarbeitenden verhältnismäßig kleine Organisation konnte seit ihrer Gründung Beachtliches leisten. Wer erinnert sich nicht an Namen erfolgreich abgeschlossener Projekte wie Spacelab, Giotto, Huygens oder Rosetta? Nicht zu vergessen die Mitwirkung am berühmten Hubble-Weltraumteleskop.

Im Weltall blind

Kann jedoch knapp ein halbes Jahrhundert später insgesamt von einer reinen Erfolgsgeschichte gesprochen werden, wo doch nicht nur unser Land zum Zeitpunkt der größten Bedrohungslage seit dem Zweiten Weltkrieg im Weltall blind und vollständig abhängig von US-Geheimdienstinformationen ist?

Die ESA hierfür verantwortlich zu machen, wäre freilich unfair, denn sie zielt seit ihrer Gründung auf friedliche Zwecke der Weltraumerforschung und -nutzung. Vielleicht ließe sich die Überwachung im Hinblick auf Angriffe durch ausländische Aggressoren hierunter subsumieren – ein Definitionsproblem. Immerhin befasst sich die ESA mittlerweile sogar mit der Bekämpfung von Cyber-Angriffen. In jedem Fall aber zeigt das Jahr 2022 der bisherigen Zurückhaltung Europas, für seine Sicherheit und Freiheit volle Verantwortung zu übernehmen, klare Grenzen auf. Ausgerechnet das wirtschaftlich leistungsstärkste Land Europas glänzt hier bislang durch besondere Passivität. Anders als bislang wird man in Deutschland und Europa fehlendes Bewusstsein als Ausrede für künftige Untätigkeit nach dem brutalen russischen Überfall auf die Ukraine und den zahlreichen Einschüchterungsversuchen und Drohgebärden gegenüber Nato- und EU-Staaten nicht mehr anführen können.

Autor: Michael Graef, 30.05.2022

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