Buchempfehlung: Fritz Dieter Erbslöh – Der Weg zur Energiewende

Prognosen gelingen bekanntlich am besten, so lange sich nicht viel ändert. Heute machen die Schnelligkeit technologischer, gesellschaftlicher und geopolitischer Entwicklungen – mithin die Komplexität der globalisierten Welt – Voraussagen schwieriger denn je. Hin und wieder jedoch ist der Grund vielmehr darin zu suchen, dass Menschen Tatsachen und Entwicklungen einfach nicht sehen wollen. Deutschlands selbstgewählte energetische Abhängigkeit von Russland zum Beispiel hätte schon vor vielen Jahren als Quell künftiger Probleme erkannt werden müssen. Tschetschenien, Georgien, Krim, Syrien – die Warnzeichen waren zahlreich und deutlich. Dessen ungeachtet entschied man sich für eine Politik nach dem Prinzip Hoffnung. Durch den Journalismus wurde sie kaum je infrage gestellt.

Ein kluges Buch, das in die Zeit passt

Auf dem Prinzip Hoffnung – gelegentlich sogar auf dem Negieren von Fakten –  beruhte bislang auch vielfach der Umgang mit dem Klimawandel. Wie sich spätestens angesichts drohender Versorgungsengpässe mit fossilen Energieträgern zeigt, hätte Deutschland hier ebenfalls sehr viel mehr Gas (so viel Wortspiel sei erlaubt) geben müssen. Dass aber konkret im Jahre 2022 der Game Change des russischen Angriffskriegs – andere sagen dazu „Zeitenwende“ – für die Energiewende gewissermaßen zum Turbo werden würde, dürfte Fritz Dieter Erbslöh während der Arbeit an seinem neuen Buch im vergangenen Jahr ebenso wenig geahnt haben, wie jeder andere Mensch, der über keine Glaskugel verfügt. Umso mehr passt das dabei herausgekommene Werk „Der Weg zur Energiewende“ in die aktuelle Zeit. Der zweifach promovierte frühere Bereichsleiter im HDT (Haus der Technik) gibt hierin einen klugen Über- und Ausblick – beginnend mit der Beschreibung der geschichtlichen Entstehung des Projekts.

Gefährliches Halbwissen durch fundierte Kenntnis ersetzen 

Erbslöhs Buch kann als sehr gelungener Beitrag gewertet werden, gefährliches Halbwissen durch die fundierte Kenntnis von Fakten zu ersetzen. Es zielt nicht darauf ab, einen Weg vorzuzeichnen, sondern regt dazu an, sich selbst Gedanken zu machen. Quasi ganz der synoptischen, interdisziplinären Tradition des HDT folgend, vermag „Der Weg zur Energiewende“ die vielschichtigen Zusammenhänge von Energiegewinnung, Energiespeicherung, Energieumwandlung, Energietransport und Regulierung allgemein verständlich zu veranschaulichen. Angesprochen werden explizit alle, die sich über die technischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Hintergründe und Perspektiven der Energiewende informieren möchten. Das Buch öffnet mit einem gleichermaßen lesenswerten Vorwort von Prof. Dr. Werner Klaffke, Vorstand des HDT, und beschließt mit einem Ausblick Erbslöhs unter der Überschrift „Ein ergebnisoffener Prozess“.

Fazit: Wissen muss zum Handeln führen 

Dass Deutschland gegen den Klimawandel mehr tun muss, als sich aus seinem Rang in der globalen Liste der Emittenten klimaschädlicher Gase oberflächlich betrachtet ergibt, hat mindestens damit zu tun, dass der Klimawandel ein Stück Weit als Chance und die Energiewende als wirtschaftsstrategische Notwendigkeit zu interpretieren ist. Wer mit Winston Churchill d'accord geht, der behauptet hat, dass es wenig Sinn mache, etwas anderes zu sein als ein Optimist, darf insgesamt damit rechnen, dass die Menschheit die schicksalhafte Herausforderungen am Ende meistern wird. Die Alternative eines weiterhin halbherzigen Adressierens des Klimawandels ist in Wahrheit keine Option. Man denke allein an zuvor unterschätzte verstärkende beziehungsweise beschleunigende Effekte aus Rückkopplungen. Es bedarf also vermehrter Sachkenntnis und wesentlich entschlosseneren Handelns. Ersterem dient Erbslöhs Buch bravourös. Zu letzterem muss jeder im Rahmen der eigenen Möglichkeiten Beiträge leisten.

Fritz Dieter Erbslöh
Der Weg zur Energiewende
expert verlag GmbH
ISBN 978-3-8169-3508-7
Hardcover, 2021, 525 S.
Format (B x L): 17,5 x 24 cm
https://www.narr.de/der-weg-zur-energiewende-63508/

Autor: Michael Graef, 17.08.2022

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