Arbeitsschutz: Von Pflicht bis Kür

Unternehmen und ihren Führungskräften kommt eine große Verantwortung für das Wohl der eigenen Mitarbeiter zu. Das ergibt sich nicht zuletzt aus dem Arbeitsschutzgesetz. Diese Verpflichtung lässt sich auch durch Delegieren nicht abschütteln. Somit ist Arbeitsschutz eine originäre Führungsaufgabe, die mindestens zweierlei bedingt: Erstens müssen die rechtlichen Zusammenhänge gekannt und zweitens auf ihre Einhaltung hingewirkt werden. Doch das Thema ist nicht allein aus juristischer Sicht – im Sinne der Compliance – hochkomplex. Zur Pflicht, das heißt zum gesetzlich Regulierten, kommt ein weiterer Bereich hinzu, der viel mit Freiwilligkeit und Einsicht zu tun hat: quasi die Kür. Einige Stichwörter lauten: Wertschätzung, Kommunikationskultur, Angebote zur Gesundheitsförderung.

Ganzheitliches Verständnis von Arbeitsschutz  

Alle Jahre wieder zeigen Studien den Zusammenhang zwischen der Motivation von Mitarbeitern und der Entwicklung des Krankenstandes; mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Produktivität. Es gilt außerdem als Binsenwahrheit, dass Mitarbeiter zumeist nicht ihren Job kündigen, sondern den Vorgesetzten. 

Die Praxis zeigt, dass beispielsweise das Etablieren einer positiven Feedback-Kultur – eine Maßnahme, die kaum Geld kostet – sich schwieriger gestalten kann, als zum Beispiel die Sicherstellung des konsequenten Tragens von Schutzbekleidung. Tatsächlich ist beides Teil eines ganzheitlichen Verständnisses von Arbeitsschutz.  

Gefühlter Stress?

Zu denken geben sollte Personalverantwortlichen eine jüngst durchgeführte Umfrage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), die zwar zeigt, dass die Arbeitsintensität in den letzten Jahren nicht zugenommen hat, Arbeitnehmer sich jedoch trotzdem zunehmend belastet fühlen [1]. Wenn man davon ausgeht, dass nicht wachsende Empfindlichkeit die Ursache ist, muss es offensichtlich irgendetwas geben, dass sich störend zwischen Aufgaben und deren Erledigung schiebt. 

Die BAuA-Studie weist gleich eine ganze Reihe von Faktoren aus, die Arbeitnehmern das Leben unnötig schwer machen. Dazu zählt das gleichzeitige Betreuen einer zu großen Zahl von verschiedenen Arbeiten unter großem Zeitdruck. Dabei sollte sich herumgesprochen haben, dass das viel gepriesene Multitasking ineffizient ist [2]. Ein anderer Aspekt sind dauernde Störungen und Unterbrechungen bei der Arbeit durch Lärm. Sie senken die Produktivität und heben den Stresspegel. Das Problem: Zwar kann bei leichten Aufgaben für gewisse Zeit ein störender Geräuschpegel kompensiert werden. Eine Lärmresistenz lässt sich hingegen nicht antrainieren. Auf Dauer sinkt daher die Qualität der Arbeit und Stressreaktionen nehmen zu.  

Nachhaltige Lösungen erforderlich

Nicht alles, was das Wohlbefinden von Mitarbeitern beeinträchtigt, lässt sich gleichermaßen mit geringem Einsatz von Ressourcen lösen. Häufig sorgen allerdings lediglich falsch gesetzte Prioritäten oder fehlende Sachkenntnis dafür, dass man jahrelang unter den eigenen Möglichkeiten agiert.  

Also einfach ein wenig mehr New-Work-Feeling, Duzen und kostenloses Obst für alle als Lösung? Ganz so einfach wie es das Klischee besagt, ist es leider nicht. Maßnahmen, die langfristig funktionieren sollen, erfordern planerisches Know-how und gewisse Kenntnisse in Sachen Changemanagement

Regelmäßig Weiterbildung vonnöten 

Die regelmäßige Weiterbildung von Führungskräften und Personalverantwortlichen in allen Belangen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes ist ähnlich entscheidend für den Unternehmenserfolg wie etwa das Verfolgen aller relevanten technologischen Entwicklungen der eigenen Branche. Schließlich gilt es nicht nur den Bedürfnissen der aktuellen Belegschaft gerecht zu werden. Im Kampf um die klügsten Köpfe muss langfristig an der eigenen Arbeitgebermarke – Neudeutsch: Employer Branding – gearbeitet werden. Das wird aller Voraussicht nach künftig sogar noch wichtiger. Man denke an den demografischen Wandel oder den Fachkräftemangel, der sich längst bei IT- und Digitalisierungsprojekten bemerkbar macht. Unternehmen, die sich hier nicht gut genug aufstellen, dürften Probleme beim Recruiting bekommen.

Übrigens: Eine gute Gelegenheit zur Vertiefung der hier behandelten Aspekte und zum Aufspüren der neuesten Trends bietet der jährlich stattfindende Work & Health Congress, bei dem es schwerpunktmäßig um die Themen Gesundheit und Arbeit 4.0 geht. 

Quellen:

[1] https://www.humanresourcesmanager.de/news/beschaeftigte-empfinden-arbeit-zunehmend-als-belastend.html

[2] https://www.independent.co.uk/life-style/multitasking-productivity-levels-research-psychology-david-meyer-a8254416.html

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