Hoffentlich gut verzurrt: Ladungssicherung und Zurrmittel

Dem Thema Ladungssicherung wird heute wesentlich mehr Beachtung geschenkt als in früheren Jahrzehnten. Zumal es mittlerweile ein entsprechendes Regelwerk gibt. Angesichts der regelrechten Explosion des Güterverkehrs und der vielerorts kaum mehr zu steigernden Verkehrsverdichtung wäre alles andere im Grunde auch Wahnsinn.

Mit der Physik lässt sich nicht verhandeln. Wie aus der Schule allgemein bekannt sein sollte, übt ein bewegtes Objekt beim Aufprall eine Kraft aus, die dem Produkt aus seiner Masse und seiner Beschleunigung entspricht. Dass es tatsächlich um physikalisches Grundwissen eher schlecht bestellt ist, beweisen die vielen ungesichert auf den Hutablagen von PKW abgelegten Gegenstände, die sich bei zufälligen Stichproben jederzeit und allerorts entdecken lassen. Dabei haben Tests von Sicherheitsverbänden schon vor Jahrzehnten eindrucksvoll gezeigt, wie sich scheinbar harmlose Kleinigkeiten bei einer Vollbremsung in wahre Geschosse verwandeln. 

Wer diese Botschaft verstanden hat, begreift auch, wie viel gefährlicher erst die tonnenschweren LKW-Ladungen sind, die zu Hunderttausenden auf unseren Straßen unterwegs sind. Wenn die Ladungssicherung vernachlässigt und nicht sachgemäß verzurrt wurde, stellen sie tickende Zeitbomben dar. Um die Risiken zu minimieren ist allerdings eine Menge Know-how erforderlich, angefangen mit den physikalischen Grundlagen und den Arten der Berechnung über die richtige Verwendung von Zurrmitteln wie Spanngurt, Zurrgurt, Zurrkette, Zurrseil oder Rundschlinge bis hin zu den Prinzipien der kraftschlüssigen und formschlüssigen Ladungssicherung und vieles andere mehr. 

No risk, no fun? Bei der Ladungssicherung gilt das ganz sicher nicht!

Noch vor drei Jahrzehnten wurde die Ladungssicherung zumeist stiefmütterlich behandelt. Das galt für die Ausbildung von Berufskraftfahrenden genauso, die sich zu diesem Thema quasi ausschwieg. Wie so häufig in der Geschichte der technischen Sicherheit musste es erst zu großen Schadenfällen kommen, sodass ein Umdenken einsetzte. Zu Beginn des neuen Jahrhunderts erschienen zunehmend Fachpublikationen zu Fragen der Ladungssicherung und zur korrekten Verwendung der Ladungssicherungshilfsmittel. Außerdem wurde mit der Richtlinie VDI 2700 ein Grundlagenwerk geschaffen, welches die Kräfte beschreibt, die auf eine Ladung im Fahrbetrieb einwirken. Des Weiteren stellt es die verschiedenen existierenden Möglichkeiten der Ladungssicherung dar. 

Die Richtlinie VDI 2700 trug entscheidend dazu bei, dass heute mehr über Ladungssicherung nachgedacht und demgemäß gehandelt wird. Mit der VDI-Richtlinie VDI 2700a trat zudem der sogenannte Ausbildungsnachweis Ladungssicherung in Kraft und es kam zur Einführung der Europäischen Normen EN 12195-2 „Zurrgurte“, EN 12195-3 „Zurrketten“ und EN 12642 „Aufbauten an Nutzfahrzeugen“.

Sachgerechte Ladungssicherung reduziert auch Kosten

Ein wertvolles Hilfsmittel wurde Transportunternehmen, die sich mit der Ladungssicherung beziehungsweise Ladungssicherungsarbeiten als Qualitätsfaktor befassen müssen, schließlich mit Blatt 5 der Richtlinie VDI 2700 an die Hand gegeben. Es ist mit „Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen – Qualitätsmanagement-Systeme“ betitelt und beschäftigt sich mit dem Verladen und Entladen von Ladegütern auf Fahrzeugen für den Straßenverkehr, mit sachgerechten Sicherungsmethoden sowie deren Kontrolle. Hierzu zählen die Auswahl und Verwendung entsprechender Fahrzeuge und Hilfsmittel (Zurrmittel) zur Ladungssicherung und deren regelmäßige Prüfung.

Im Sinne der Nachhaltigkeit der Maßnahmen sind Unternehmer nach VDI Richtlinie 2700 Blatt 5 verpflichtet, Mitarbeitende, die mit der Ladungssicherung betraut sind, im Abstand von drei Jahren auffrischend schulen zu lassen. Darüber hinaus sorgt die Einbettung der Ladungssicherung in Qualitätsmanagement-Systeme nicht nur für eine weitere Verbesserung der Transportsicherheit, sondern hilft zusätzlich bei der Kostensenkung. Man denke an vermeidbare Transportschäden und Unfälle sowie an Bußgelder. Kommt es im Zusammenhang mit Gefahrgütern zu Nachlässigkeiten, sind sogar haftungsrechtliche Konsequenzen möglich. 

Autor: Michael Graef, 11.02.2022

Das HDT vermittelt im Rahmen des Seminars „Ausbilder und Leiter von Ladungssicherungsarbeiten mit Praxisteil“ die Fachkunde Laden und das nötige Know-how für Ladungssicherungsarbeiten für Ausbilder sowie die Fachkunde Verantwortlicher für Ladetätigkeit inklusive des Fachausweises Ladungssicherungsarbeiten. Behandelt werden hier die Themen Verantwortung und Haftung bei Ladetätigkeiten, die physikalischen Grundlagen der Ladungssicherung einschließlich Berechnung, Anforderungen an Transportfahrzeuge und Fahrzeugaufbauten sowie Zurr- und Hilfsmittel. Das Seminar enthält sowohl eine theoretische Prüfung der Grundlagen als auch praktischen Übungen an Ladung und Fahrzeug ab.

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