Sind sie sicher? Elektroautos und das Brandrisiko

Das älteste und intensivste Gefühl sei die Angst, heißt es bei dem amerikanischen Schriftsteller H. P. Lovecraft an einer Stelle. Die älteste und intensivste Art der Angst wiederum sei jene vor dem Unbekannten. Die relativ junge Elektromobilität bietet gegenwärtig einen Beleg für die Richtigkeit dieser These. Es vergeht gefühlt keine Woche, ohne dass gewisse bildlastige Nachrichtenseiten nicht mindestens über einen spektakulären Brand eines Elektroautos berichten. Einerseits nachvollziehbar, denn Auflagen oder Klickzahlen lassen sich kaum mit der Meldung steigern, dass nichts passiert ist. Andererseits ist der sensationslüsterne Umgang mit dem Thema für die Klärung der Frage, ob von Elektrofahrzeugen respektive deren Lithium-Ionen-Batterien wirklich ein höheres Brandrisiko als von konventionellen Pkw ausgeht, nicht hilfreich.

Wie brandgefährlich sind Elektroautos?

Bislang gibt es keine Belege dafür, dass Elektroautos hinsichtlich der Brandgefahr unsicherer sind. Im Gegenteil scheint das Risiko weder beim Laden, der normalen Fahrt noch bei einem Unfall höher zu sein. Das behaupten nicht bloß die Hersteller, sondern unabhängige Institutionen wie die DEKRA [1] und der ADAC [2]. Eine andere entscheidende Frage ist allerdings, wie sich Feuerwehren und Rettungskräfte auf die Anforderungen und Auswirkungen der neuen Technologie einstellen können. Brennt es nämlich tatsächlich einmal, hat man es mit einer deutlich anderen Gemengelage zu tun, als bei klassischen Verbrennern. Und das nicht nur im Worst Case eines Vollbrandes. 

Zu den Unterschieden gegenüber herkömmlichen Automobilen gehört unter anderem ein Phänomen namens „Thermal Runway“ (zu Deutsch: thermisches Durchgehen). Dieses drückt sich darin aus, dass einzelne beschädigte Lithium-Ionen-Batterien innerhalb eines Akkus selbst Stunden später einen Fahrzeugbrand auslösen können. Grund ist die lokal begrenzt entstehende Hitze, welche die jeweiligen Nachbarzellen allmählich so stark aufheizen kann, bis diese ebenfalls Feuer fangen. Der Beginn einer gefährlichen Kettenreaktion.
 

HDT-Veranstaltungshinweis:
Brände von Lithium-Ionen Batterien in Elektrofahrzeugen kontrollieren, eindämmen und vorbeugen
 

E-Autos löschen: Wasser oder kein Wasser?

Bei verunfallten Elektroautos gilt heute zumeist die Devise: Wasser marsch! Mit dem Ziel, die Temperatur der Akkus zu senken und thermisches Durchgehen zu verhindern, werden die Fahrzeuge aufgrund der geschützten Lage ihrer Batterien zum Teil sogar komplett in Wasser eingetaucht. Totalschäden sind so natürlich vorprogrammiert. Dass das nicht der Stein der Weisen sein kann, liegt auf der Hand. Längst haben sich daher findige Entwickler auf die Suche nach Alternativen gemacht. Ein vielversprechender Ansatz sind spezielle Löschdecken beziehungsweise Stoffhüllen, die Brände mal passiv durch Sauerstoffentzug und mal aktiv mittels Imprägnierungen, die chemisch reagieren, löschen sollen.

Aber auch die Batterie-Entwicklung hin zu leistungsfähigeren und zugleich sichereren Technologien schreitet schnell voran, so dass man erwarten darf, dass sich die Situation langfristig anders darstellen wird. Das HDT beschäftigt sich im Rahmen seines Weiterbildungsprogramms sehr intensiv mit diesem Thema und behandelt zudem praktisch alle Aspekte der Elektromobilität und Fahrzeugentwicklung sowie Fragen der Fahrzeugsicherheit.

Das HDT hat nicht nur Antworten auf brennende Fragen

Zu den wichtigsten Veranstaltungs-Highlights in dem Zusammenhang zählen die großen jährlichen HDT-Tagungen „Advanced Battery Power – Kraftwerk Batterie“ und „eehe - Elektrik & Elektronik in Hybrid- und Elektrofahrzeugen und elektrisches Energiemanagement“. Eine Übersicht über das vollständige Automotive-Angebot gibt es hier

Empfehlenswert ist außerdem unser Seminar zum „Umgang mit Hochvolt-Fahrzeugen im Feuerwehreinsatz und bei Rettungsarbeiten“ sowie unser umfangreiches Gesamtangebot zu Brandschutz und Explosionsschutz.

Autor: Michael Graef, 22.02.2021

Quellen:
[1] https://www.dekra.de/de/serien-elektrofahrzeuge-bestaetigen-hohes-sicherheitsniveau-in-dekra-crashtests/
[2] https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/elektromobilitaet/info/sicherheit-elektroauto/

 

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