Im Gespräch: Wolfgang J. Friedl – Vom Brandschutzbeauftragten zum Brandschutzmanager?

Maßnahmen des Brandschutzes seien kein Selbstzweck und könnten kein Hauptziel von Unternehmen sein, schrieb Wolfgang J. Friedl einmal in einem Fachartikel. Um zugleich auf die existenzbedrohlichen Folgen hinzuweisen, die jeder Brand haben kann. Wir sprachen mit dem promovierten Ingenieur und ausgewiesenen Brandschutz- und Arbeitssicherheitsexperten über Defizite beim Brandschutz, aber auch über Chancen für mehr Sicherheit. Außerdem ließen wir uns von dem Gutachter, Unternehmensberater, 35-fachen Fachbuchautor, Verfasser vieler Fachartikel und Co-Autor von Loseblattsammlungen, der außerdem als Referent und Schulungsleiter tätig ist, die unterschiedlichen Rollen von Brandschutzbeauftragten und Brandschutzmanagern erklären.

HDT-Journal: Das Bewusstsein für die Bedeutung des Brandschutzes hat in den letzten Jahren ebenso zugenommen wie das allgemeine Sicherheitsniveau. Die allgegenwärtigen Rauchmelder sind für Laien das augenfälligste Indiz. Sehen Sie gegenwärtig dennoch wesentliche Defizite hinsichtlich der Vermeidung von Bränden oder beispielsweise bezogen auf den angemessenen Umgang mit Entstehungsbränden?

Wolfgang J. Friedl: Die meisten Menschen sind beim Auftreten von Bränden – egal wie groß – erst einmal überfordert. Sie reagieren falsch, verschlimmbessern die Situation oder stufen die nötigen Prioritäten nicht richtig ein. Die Berufsgenossenschaften fordern, lediglich 5 Prozent der Belegschaft zu Brandschutzhelfern auszubilden. Mit dieser relativ neuen Forderung ist die Situation, so meine ich, gefährlicher geworden. 

HDT-Journal: Können Sie das begründen? 

Wolfgang J. Friedl: Nun, die verbleibenden 95 Prozent sind irrtümlich der Ansicht, dass sie im Brandfall nichts tun müssen, sondern sich auf die anderen verlassen können. Hinzu kommt eine zunehmende Vollkaskomentalität in der Bevölkerung, insbesondere am Arbeitsplatz. Wir brauchen aber eine Art Nulltoleranzpolitik gegenüber vermeidbaren Brandgefahren, Personengefährdungen und Brandverletzungen. Wichtig sind gute Schulungen, die individuell und nicht standardisiert sind. Jeder ist gemäß Paragraph 823 des Bürgerlichen Gesetzbuchs für alle seine Taten und dies 24 Stunden am Tag verantwortlich – egal wo er sich befindet und egal was er macht beziehungsweise unterlässt. Knapp 400 Brandtote werden jährlich akzeptiert und das halte ich für zynisch. Wir haben ein Defizit an Informationen und beim Brandschutz-Bewusstsein.

HDT-Journal: Inwieweit kann die betriebliche Sicherheit denn durch das Vorhandensein eines Brandschutzbeauftragten profitieren? 

Wolfgang J. Friedl: Ganz wesentlich. Gute Brandschutzbeauftragte betrachten den Job als Berufung und nicht als lästige Nebenbeschäftigung. Sie kontrollieren, weisen an, lassen warten und beschädigte Sicherheitstechnik zügig wieder instand setzen. Sie sind proaktiv tätig – also präventiv und nicht kurativ. Sie sorgen dafür, dass der Stand der heute gültigen Technik gekannt, eingehalten und umgesetzt wird. Wer außer ihnen sollte den sonst kennen? Versicherungen und Berufsgenossenschaften sind ja nicht verpflichtet, diesen bekannt zu geben oder regelmäßig zu kontrollieren. Nur nach Bränden mit entsprechenden Schäden passiert das und dann wird es meist Schuldige geben … Übrigens, Betriebsunterbrechungen machen circa 60 Prozent der gesamten Schadenkosten aus, die eigentlichen Brandschäden nur rund 40 Prozent. Und für 30 Prozent der von Feuerschäden und insbesondere von Betriebsunterbrechungen heimgesuchten Unternehmen wird es keine Zukunft geben, weil zu viele Kunden abgewandert sind.

HDT-Journal: Trotz der relativ umfangreichen Ausbildung, die zum Erwerb der Bezeichnung Brandschutzbeauftragter erforderlich ist, reicht offenbar das erworbene Wissen in bestimmten Fällen nicht aus. Ins Spiel kommen dann Brandschutzmanager. Was unterscheidet deren Rolle von der des Brandschutzbeauftragten?

Wolfgang J. Friedl: Brandschutzbeauftragte sind oft Handwerker mit bestimmten Fähigkeiten. Artikel oder gar Bücher zu lesen gehört bei einigen nicht zum Standardrepertoire. Komplexe Zusammenhänge zu erkennen zwischen Vorgaben der Baugesetzgebung und der Berufsgenossenschaften sowie das Auffinden konkreter Schutzmaßnahmen im unübersichtlich großen Regelwerk – da gehören schon ganz besondere Befähigungen dazu, über die nicht allzu viele Menschen verfügen. Ein Brandschutzmanager sollte, nein muss solche Fähigkeiten mitbringen. Gerade in Bezug auf den Explosionsschutz gibt es bei der Ausbildung für Brandschutzbeauftragte oft kaum oder gar keine Informationen. Brandschutzbeauftragte werden manchmal erst aktiv, wenn etwas passiert ist oder erledigen nur das ihrer Meinung nach Nötige. Brandschutzmanager jedoch werden vorher aktiv. Sie haben mehr Distanz zum Tagesgeschäft und kümmern sich zum Beispiel nicht vor Ort um die Vermeidung von Stäuben oder anderen explosionsfähigen Stoffen oder Zündquellen, was aber sehr wichtig wäre. Nein, Branschutzmanager prüfen die Prüfer, den Brandschutzbeauftragten, passen Versicherungsverträge an und sorgen langfristig für aktuellen Brand- und Explosionsschutz.

HDT-Journal: Für welchen Personenkreis empfiehlt sich die Ausbildung zum Brandschutzmanager? 

Wolfgang J. Friedl: Ich schlage Geschäftsführer vor, aber auch ambitionierte Brandschutzbeauftragte, möglichst mit Meisterausbildung oder Studium. Des Weiteren sollten sich Bereichsleiter, Sicherheitsfachkräfte und sozial engagierte Betriebsräte überlegen, an dieser Ausbildung teilzunehmen. Grundätzlich ist sie passend für autodidaktische Menschen mit der Fähigkeit zur Abstraktion.

HDT-Journal: Ist es erforderlich, vor der Ausbildung zum Brandschutzmanager bereits die zum Brandschutzbeauftragten absolviert zu haben?

Wolfgang J. Friedl: Ich halte das schon für wichtig. Auch wenn uns die Politik seit Jahrzehnten zeigt, dass manche Minister und Ministerinnen keine Ahnung vom jeweiligen Ressort haben. Was das bringt, sieht man ja. Wie soll man denn mitreden können, wenn man sich keine eigene qualifizierte Meinung bilden kann? Der Brandschutzbeauftragte bekommt solides Grundwissen in acht Tagen vermittelt; darauf aufbauend ist der Brandschutzmanager mit der dreitägigen Zusatzausbildung optimal. Oder so: Ohne Grundschule keine weiterführende Schule. Eigentlich logisch, oder?

HDT-Journal: Schauen wir ein wenig in die Zukunft: Was erwarten Sie mittelfristig von der Digitalisierung mit Blick auf die Arbeit von Brandschutzbeauftragten und Brandschutzmanagern? Muss beziehungsweise darf in den kommenden Jahren mit größeren Veränderungen beim vorbeugenden und abwehrenden Brandschutz gerechnet werden?

Wolfgang J. Friedl: Mit größeren Veränderungen im Brandschutz rechne ich nicht. Die Digitalisierung verändert ja erst mal nichts an den Vorgaben. Die Arbeit muss analog gemacht werden – ähnlich wie bei einem Arzt. Digitale Lösungsansätze sind gut bei wiederkehrenden Prüfungen und Schulungen und so weiter, aber solche Programme gibt es ja schon seit Jahren. Aber ich warne vor Werbeaussagen wie beispielsweise „Mit drei Mausklicks zum Explosionsschutzdokument“. Nein, die Arbeit muss solide und individuell geleistet werden und da ist die Digitalisierung nicht im Mittelpunkt.

HDT-Journal: Herr Friedl, wir danken Ihnen für diese interessanten Ausführungen, die hoffentlich für Nachdenken sorgen werden.

Die Fragen stellte Michael Graef.

Hinweis: Beim HDT leitet Wolfgang J. Friedl Weiterbildungen zum Brandschutzbeauftragten und zum Brandschutzmanager.

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