Was ist eigentlich die HOAI?

Die Honorarabrechnung für Architekten und Ingenieure – kurz HOAI – regelt die Leistungsvergütung von Architekten und Ingenieuren in den Bereichen Architektur, Stadtplanung und Bauwesen. Die HOAI legt fest, welches Honorar ein Bausachverständiger oder Architekt für seine Leistungen verlangen darf. Es handelt sich somit um eine gesetzliche Preisregulierung. Unterschieden wird dabei nach unterschiedlichen Leistungsphasen. Doch wie sind die anrechenbaren Kosten und einzelnen Leistungsphasen der HOAI im Detail geregelt? Und was verändert sich durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Juli 2019? Wir werfen einen Blick auf die wichtigsten Zusammenhänge. 

Was ist die HOAI und seit wann gibt es sie?

Die HOAI ist eine Art Honorartafel-Sammlung, die vorgibt, wie viel Honorar ein Architekt oder Ingenieur, unter bestimmen Bedingungen, erhält. Die Baukosten dienen als Basis für die Honorarermittlung. Neben den Baukosten kommt es zudem auf die Bauwerk-Art und den jeweiligen Schwierigkeitsgrad an.

Die HOAI wurde erstmals am 17. September 1976 als Bundesverordnung zur Regelung der Honorare für Architekten- und Ingenieurdienste veröffentlicht, am 1. Januar 1977 trat die erste Fassung in Kraft. Sie löste die bisherige Gebührenordnung für Architekten aus dem Jahr 1950 und die Gebührenordnung der Ingenieure aus dem Jahr 1956 ab. 

Die HOAI gilt für die meisten Architekten- und Ingenieurberufe. Davon ausgenommen sind Ingenieure, die im Vermessungswesen tätig sind oder mit Bodenmechanik, Bauphysik oder Umweltverträglichkeit befasst sind. 

Die HOAI gilt für Architekten- und Ingenieurleistungen. Sie führt in der Anlage 1 Beratungsleistungen, wie Vermessungsleistungen, Bodenmechanik, Bauphysik oder Umweltverträglichkeit auf. Diese sind seit der HOAI-Fassung 2009 dem zwingenden Preisrecht entzogen. Hier können seitdem freie Honorarvereinbarungen getroffen werden.

Welches Ziel wird mit der HOAI verfolgt?

Die HOAI zielt einerseits darauf ab, Architekten und Ingenieuren ein auskömmliches Honorar zu sichern, andererseits soll mit ihrer Hilfe die Qualität der Bauplanung, Ausschreibung, Vergabe und Objektüberwachung gewährleistet werden. Schlussendlich geht es darum, dass Wettbewerb über die beste Leistungsgüte ausgetragen wird, statt über den niedrigsten Preis.

Die Höhe der jeweiligen Vergütung richtet sich im Wesentlichen nach der Aufgabenstellung, dem Schwierigkeitsgrad (Honorarzone), den anrechenbaren Kosten und den erbrachten Leistungen. Letztere werden in verschiedene Leistungsphasen untergliedert.

Was sind die anrechenbaren Kosten?

Die anrechenbaren Kosten sind Teil der HOAI-Regelkriterien bei der Ermittlung des Honorars der Leistungen von Architekten und Ingenieuren. 

Es gibt je nach Planungsstand unterschiedliche Kostenermittlungen nach DIN 276. Für die Honorarermittlung ist die sogenannte Kostenberechnung in der Leistungsphase 3 - Entwurfsplanung - § 34 Abs. 3 Nr. 3 HOAI maßgeblich.

HOAI- und Baurecht-Seminare und Weiterbildungen im Haus der Technik (HDT)

Bestimmte Kostengruppen sind entsprechend der Systematik des § 33 HOAI stets anrechenbar, teilweise anrechenbar (technische Ausrüstung) oder bedingt anrechenbar, soweit der Objektplaner bestimmte Leistungen dafür erbringt. Die grundsätzlichen Regelungen zur Bestimmung der anrechenbaren Kosten enthalten die § 4, 33 und 37 HOAI.

Welche Leistungsphasen beinhaltet die HOAI?

Die Objektplanung wird in der HOAI ausgehend von der Grundlagenermittlung über die Entwurfs- und Genehmigungsplanung bis hin zur Bauüberwachung und Dokumentation in insgesamt neun verschiedene Leistungsphasen unterteilt. Für diese Phasen wird jeweils ein Preisschild vergeben, das sich am Aufwand beziehungsweise Schwierigkeitsgrad sowie prozentual anteilig an den Gesamtbaukosten orientiert.

Die HOAI-Leistungsphasen (LPH) im Einzelnen:

LPH 1. Grundlagenermittlung mit Prüfung des Kostenrahmens vom Bauherren

LPH 2. Vorplanung mit Kostenschätzung

LPH 3. Entwurfsplanung inklusive Kostenberechnung

LPH 4. Genehmigungsplanung

LPH 5. Ausführungsplanung

LPH 6. Vorbereitung der Vergabe, einschließlich Ermitteln der Mengen und Aufstellen von verpreisten Leistungsverzeichnissen (Kostenvoranschlag, LV)

LPH 7. Mitwirkung der Vergabe (beinhaltet die Koordination des Vergabeverfahrens und den Vergleich von dem Kostenanschlag mit den vom Planer bepreisten Leistungsverzeichnissen oder der Kostenberechnung)

LPH 8: Objektüberwachung – Bauüberwachung und Dokumentation

LPH 9: Objektbetreuung inklusive Gewährleistungsverfolgung

Oftmals werden Architekten nur für bestimmte Teile dieser Leistungsphasen beauftragt. Es ist also nicht erforderlich, dass ein Bauherr sämtliche neun Leistungsphasen durch ein und denselben Architekten verwirklichen lässt. Es kann sogar sinnvoll sein, sich nach der Entwurfserstellung einen Architektenwechsel offen zu halten. 

Für jede Leistungsphase werden in der HOAI genaue Prozentwerte des Honorars zugeordnet. Diese richten sich wiederum nach dem Leistungsvolumen. 

Welche Honorarzone für Einfamilienhaus?

Mit welchen Architektenkosten muss man bei der Planung des Baus eines Einfamilienhauses rechnen? Die Antwort auf diese Frage hängt von mehreren Faktoren ab. Generell werden hierbei die Honorarzonen III oder IV herangezogen. 

Des Weiteren geht es um den beauftragten Umfang der geforderten Leistungen (in verschiedene Leistungsphasen unterteilt), die anrechenbaren Kosten, den Von-bis-Satz der Honorartafel sowie weitere verhandelbare Honorarregelungen, wie Umbauzuschlag.

Grob geschätzt beträgt das Gesamthonorar zehn Prozent der Kosten für das Gebäude im Fall einer Vollbeauftragung. Findet eine Teilbeauftragung mit einzelnen Leistungsphasen statt, kommen stattdessen lediglich die entsprechenden Anteile vom Gesamthonorar zum Tragen.  

Wie verbindlich ist die HOAI?

Der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) befand im Juli des vergangenen Jahres, dass die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) einen Verstoß gegen Art.15 der Dienstleistungsrichtlinie darstellt. Deutschland ist verpflichtet, dieser Entscheidung nachzukommen. Demnach entfällt für Architekten und Ingenieure die Berufung auf Mindest- und Höchstsätze. 

Die HOAI-Regelungen können unabhängig von der Mindestsatz-Problematik weiterhin vereinbart werden. Für vor dem Stichtag abgeschlossenen Verträge gilt die entsprechende Honorarvereinbarung, während die Frage der nachträglichen Berufung auf den Mindestsatz derzeit noch nicht abschließend vom Europäischen Gerichtshof entschieden worden ist.

Wichtig ist, dass Architekten und Ingenieure eine Honorarvereinbarung treffen, welche eindeutige Regelungen enthält.

Mehr erfahren: Wenn Sie mehr über den Themenbereich der Honorarabrechnung für Architekten und Ingenieure erfahren möchten, finden Sie weiterführende Informationen und Angebote unter dem folgenden Link: https://www.hdt.de/seminare-workshops/bau-und-gebaeudewirtschaft/baurecht/

 

Bitte geben Sie die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.