Ausbau der Erneuerbaren: „Wind of Change“ oder laues Lüftchen? Interview mit Dario Lanz

Über die Notwendigkeit, dem Ausbau der regenerativen Energien endlich die höchste Priorität einzuräumen, dürfte hierzulande nach dem 24. Februar 2022 eigentlich keinerlei Uneinigkeit mehr herrschen. Das Problem: Entgegen der vielen Lippenbekenntnisse seitens der Politik ist die Realität in Bezug auf entsprechende Genehmigungsverfahren zurückhaltend formuliert eine andere. Das zahlt ein auf die längst nicht mehr nur gefühlte Behäbigkeit unseres Landes, die sich auch bei der Infrastruktur und in vielen anderen Bereichen zeigt, in denen der Verlust des Anschlusses an die Weltspitze droht. 

Nun will vermutlich niemand einen Kursschwenk hin zu einer Politik der rücksichtslosen Durchsetzung von Interessen gegen alle Widerstände mit dem Bulldozer, wie man sie aus dem Reich der Mitte kennt. Ein Überwinden des Bürokratiewahns, eine Neuordnung von komplizierten Zuständigkeiten und Einspruchsverfahren sowie eine zeitgemäße agile Herangehensweise wären indes gewiss hilfreich. Eben erst hat beispielsweise Macron für Frankreich angekündigt, hier deutlich mehr Tempo zu machen. Was hingegen den Status quo in Deutschland betrifft, so sind wir alle Leidtragende. Zu allererst bekommen die Rückständigkeit allerdings diejenigen zu spüren, die beispielsweise Windparks projektieren und genehmigen lassen müssen.

Aus diesem Grund sprachen wir mit Dario Lanz – Onshore-Windpark-Fachplaner bei Energiequelle. 1997 gegründet, zählt das Unternehmen heute zu den zehn größten Anbietern in seinem Marktsegment. Nach Angaben von Energiequelle können mit den bislang errichteten Anlagen 700.000 Haushalte mit grüner Energie versorgt werden.

HDT-Journal: Herr Lanz, mit einem Beitrag bei LinkedIn haben Sie unlängst für einiges Aufsehen gesorgt, als Sie am Beispiel eines Projektes zur Aufstellung von drei WEA (Windenergieanlagen) durch EnBW einem größeren Publikum vor Augen führten, was es heißt, in Deutschland etwas für den Klimaschutz und die energetische Unabhängigkeit zu tun. Man wühlt sich durch 36.000 Seiten Papier und dementsprechend meterlange Reihen von Aktenordnern mit Anträgen, Formularen und so weiter. Von Digitalisierung keine Spur und noch dazu ein Kostenapparat für den Antragsteller im fünfstelligen Bereich – jedes Mal! Wie sind die Erfahrungen in Ihrem Unternehmen mit der deutschen Gründlichkeit? 

Dario Lanz: Grundsätzlich muss für jede moderne WEA ein Genehmigungsantrag nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) gestellt werden. Es geht mir hierbei eher um die Systematik, wie diese Prüfung durchgeführt wird. Grundlegende Informationen, die bei jedem BImSchG-Antrag von den Behörden abgefragt werden, müssen immer wieder von den Planungsunternehmen eingeholt oder beigebracht werden. Dazu gehören zum Beispiel windenergieanlagenabhängige Daten. Diese könnte der Hersteller meiner Ansicht nach in eine – derzeit nicht existierende – digitale Datenbank einpflegen, welche dann von den Behörden und anderen Interessenten abgerufen werden kann.

Unterschriften auf Dokumenten werden von den Behörden nur im Original auf Papier akzeptiert. Parallel müssen zusätzlich in die lokal auf dem PC abgespeicherte Behörden-Software ELiA (Elektronische immissionsschutzrechtliche Antragsstellung, Anm. d. Red.) alle Dokumente in digitaler Form eingepflegt werden. Grundsätzlich eine gute Software, um den Prozess zu digitalisieren. Die Digitalisierung endet dann leider mit dem Brennen der digitalen Unterlagen auf die CD, die jedem Antragsexemplar nochmal beigelegt wird. Auf der CD befindet sich einmal ein digitaler Ordner mit allen Antragsunterlagen und einmal die ELiA-Datei, auf der nochmals alle Unterlagen enthalten sind. Das Versenden per Knopfdruck an die Behörde über das Internet, wie es beispielsweise bei der Elster-Steuererklärung Standard ist, ist leider nicht möglich. Über die ausschließliche Nutzung und Akzeptanz der bereits vorhandenen ELiA-Behördensoftware könnte der Prozess bereits mit wenig Aufwand digitalisiert werden.

In Brandenburg werden BImSchG-Anträge beim Landesamt für Umwelt (LfU) abgegeben. Das heißt, dass die Papiere entweder persönlich dort vorbeigebracht oder versendet werden. Letzteres birgt die Gefahr, dass die arbeitsintensiven und vertraulichen Dokumente abhandenkommen können. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens werden regelmäßig Nachforderungen von Behörden an den Vorhabenträger gestellt. Die Träger öffentlicher Belange senden ihre Nachforderungen an das LfU. Das LfU leitet diese dann an die entsprechenden Projektierer weiter. Die sich aus den Nachforderungen ergebenden Nacharbeiten müssen meistens wieder postalisch als Papierversion bei der Genehmigungsbehörde nachgereicht werden. Das LFU stempelt bei erfolgreicher Genehmigung jede Seite des eingereichten Antrags fortlaufende ab. Eines der gestempelten Exemplare sowie die nicht mehr benötigten Exemplare (ca. 70 - 80% der ursprünglich eingereichten Ausfertigungen) bekommt der Vorhabenträger anschließend wieder zurück. 

„Ich bin optimistisch, dass wir die Energiewende in Deutschland hinbekommen. Leider brauchte es einen Krieg, der uns zur Beschleunigung des Ausbaues der regenerativen Energien anregt.“ – Dario Lanz

HDT-Journal: Schließen die hohen Kosten, die sich aus den komplizierten Verfahren ergeben, kleinere Marktteilnehmer nicht von vornherein aus? Über Energiequelle weiß man ja, dass die eindrucksvolle Erfolgsgeschichte ihre Anfänge in den Küchen der drei Gründer*innen nahm. Bürolos und ohne Mitarbeitende – und sicherlich ohne größere Kapitaldecke. 

Dario Lanz: Zu Gründungszeiten waren die Auflagen und damit der Genehmigungsaufwand für den Bau von Windenergieanlagen nicht so aufwendig, wie es heute der Fall ist. Die Energiequelle GmbH wurde 1997 mithilfe einer staatlichen Förderung gegründet. Damals waren in Deutschland weniger Windenergieanlagen in Betrieb als zu heutigen Zeiten. Daraus folgt, dass weniger Flächen in Anspruch genommen worden sind. Die Aufmerksamkeit für dieses Thema war dadurch, im Vergleich zu heute, noch nicht so groß. Das bedeutete, in dieser Hinsicht, wahrscheinlich eine leichtere Umsetzung der Projekte als heutzutage. Bei Investitionen besteht aber generell ein Restrisiko des Totalverlustes. Grundsätzlich geht jeder Vorhabenträger für die Beibringung von Unterlagen für einen Genehmigungsantrag in Vorleistung – ob der Bauherr eines Hauses, die Gemeinde, die einen neuen Weg genehmigen lassen will oder ein Projektierer erneuerbarer Energien. Ziel des Staates sollte es sein, die Kosten und den Aufwand für solche Anträge so gering wie möglich zu halten. Um auf ihre Frage zurückzukommen, glaube ich schon, dass für Bürgerenergiegenossenschaften, welche für die Akzeptanz der Energiewende essenziell sind, eine größere Einstiegshürde gegeben ist, wenn allein das Drucken und der Transport der Unterlagen Kosten in fünfstelliger Höhe verursacht.


Wer ist Dario Lanz?

Dario Lanz arbeitet seit Mitte 2021 bei der Energiequelle GmbH als Onshore-Windparkplaner im Bundesland Brandenburg. Zuvor absolvierte er den Master der Regenerativen Energien an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Seine Interessen reichen von Umweltschutz, Wirtschaft über Psychologie bis hin zu Persönlichkeitsentwicklung.



 HDT-Journal: Sie haben in Ihrem LinkedIn-Post, der knapp 20.000 Likes und über 1000 Kommentare erhielt und somit offenbar einen Nerv traf, konkrete Vorschläge gemacht beziehungsweise Forderungen zur Verbesserung der Situation gestellt. Wie sehen die im Einzelnen aus? 

Dario Lanz: Ideen zu kommunizieren ist immer einfacher als deren Umsetzung. In dem LinkedIn-Post schlug ich vor, dass die fertigen und abgabebereiten BImSchG-Dokumente digital auf einer Plattform uploadbar sein sollten. Diese Dokumente könnten dann, meiner Vorstellung nach, von verschiedenen Trägern öffentlicher Belange (Behörden) sowie von anderen Akteuren, die in dem Genehmigungsprozess mit eingebunden sind, abgerufen werden.

Es gibt verschiedene Projektphasen und Meilensteine, zu denen unterschiedliche Akteure in dem Projekt involviert sind. Das alles muss dementsprechend in so einem digitalen System abgebildet werden. Ein aktuell angewendetes nicht-cloudbasiertes System ist die elektronische immissionsschutzrechtliche Antragsstellung (ELiA). Dieses System ist unter anderem für die Beantragung von Windenergieanlagen nach BImSchG sehr hilfreich. Die notwendigen Antragsformulare finden sich in diesem Programm wieder und können digital ausgefüllt werden. Zudem können dort Dokumente wie Datenblätter, Lagepläne etc. hochgeladen werden. Am Ende hat der Projektierer eine ELiA-Datei, in der sich alle, für die Planung notwenigen, Unterlagen befinden.

Die Projektierer kopieren die notwendigen Dokumente, zusätzlich zur ELiA-Datei, auf die geforderten CDs, welche jedem Antragsexemplar beiliegen. Bei jeglichen Nachbesserungen der Antragsunterlagen (z. B. Änderungen von Lageplänen) müsste theoretisch die ELiA-Datei wieder auf neue CDs gebrannt werden und an die Genehmigungsbehörde geschickt werden. In Absprache mit der jeweiligen Sachbearbeiterin oder dem Sachbearbeiter kommen hier individuelle Lösungen zum Einsatz.

Zusammengefasst wäre eine gute Lösung die Weiterentwicklung der in vielen Bundesländern eingesetzten ELiA-Software hin zu einem cloudbasierten System – in Anlehnung an die Online-Elster-Steuererklärung. Die Daten sollten dann von allen betroffenen Behörden einsehbar sein und es sollte der Behörde unkompliziert ermöglicht werden, bei Wunsch auch Teile der Unterlagen, die für die jeweilige Behörde relevant sind, auszudrucken. Zusätzlich könnte ein Nachforderungs- und Dokumentenversionsmanagement eingeführt werden, welches immer den aktuellen Stand der eingereichten Dokumente aufzeigt und mit dem per Knopfdruck Nachforderungen oder auch Stellungnahmen an den Vorhabenträger versandt werden können. 

„Neben der Stromproduktion sollten wir auch Energie- und Ressourceneinsparungen ins Auge fassen – denn jede nicht erzeugte Kilowattstunde reduziert aktuell die Abhängigkeit von anderen Ländern und senkt die Energiepreise.“ – Dario Lanz

HDT-Journal: Sie befassen sich bei Energiequelle neben der Windkraft außerdem mit Photovoltaik und Biogas sowie dem Stromvertrieb, der Netzanbindung und der Speicherung von Energie. Glauben Sie, dass das Potenzial des Zusammenspiels dieser einzelnen Mosaiksteine der Energiewende hinreichend verstanden und gefördert wird? Man denke etwa an die Bedeutung der jetzt immer stärker thematisierten Sektorenkopplung. 

HDT-Veranstaltungshinweis:
Intelligente Energie braucht das Land: HDT-Seminare zu erneuerbarer Energie
Dario Lanz: Sektorenkopplung bezieht Strom, Wärme- und Gasversorgung, Industrie und Verkehr mit ein und verbindet diese Bereiche miteinander. Die Energie wird erzeugt und auf verschiedene Arten genutzt. Das ist ein komplexer Prozess, wodurch verschiedenste energetische und technische Komponenten aufeinander abgestimmt werden müssen. Für die variable Erzeugung der Energie bei den erneuerbaren Energien braucht es beispielsweise intelligente Speicher, um den Strom bei Überschuss zu speichern und bei Bedarf wieder in das Netz einzuspeisen. Veränderte Einspeisevorgänge setzen zudem die Berücksichtigung von Flexibilität voraus, um Angebot und Nachfrage von erneuerbaren Energien auszubalancieren.

Eine moderne Sektorenkopplung besteht für mich daher zudem aus dezentral intelligenten Innovationen (wie z. B. Smart Grids) und einem Wartungssystem, das Fehler bei Hard- und Software aus der Ferne erkennt (Fernwartung). Wind- und Solar stehen im Zentrum eines alternativen, CO2-freien Energiesystems. Da diese aber fluktuierenden Produktionscharakteristiken unterliegen, kommt der Entwicklung moderner Energiespeichersysteme eine besondere Bedeutung zu.

Als Speicherlösung für die Versorgungssicherheit wird meiner Meinung nach eine Mischung aus Akkumulatoren und Wasserstoffspeicher zum Einsatz kommen. Je nach Bedarf wird dann direkt von den Akkus oder über Brennstoffzellen mit Wasserstoff in das Netz eingespeist. Hinsichtlich Wasserstoff kann das von der Energiequelle mitentwickelte Referenzkraftwerk Lausitz als Vorbild dienen. Hier wird der durch regenerative Energien hergestellte Wasserstoff zukünftig nicht nur durch Brennstoffzellen rückverstromt, sondern auch gasförmig (Power-to-X) für die Betankung von PKWs und LKWs genutzt.

In Zeiten von Energiemangel und Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit rückt das Thema mehr und mehr in den Fokus und die Entscheidungsträger versuchen dieses hochkomplexe System zu verstehen. Dass sie es bis jetzt noch nicht vollends durchdrungen haben, zeigt die noch zögerliche Gesetzgebung. Hier sind erste gesetzliche Erleichterungen zu erkennen, es fehlt aber an Tempo und weiteren Anreizen. Wichtig wäre hier auch eine klare Strategie, wie eine klimaneutrale Transportinfrastruktur aussehen kann und bis wann diese vorhanden sein soll. Bis jetzt fließt größtenteils fossiles Gas durch die Leitungen. Das muss sich schnell in Kombination mit einem massiven Ausbau der erneuerbaren Energien ändern. 

„Der Klimawandel wird nicht verlangsamt, wenn nur Deutschland klimaneutral oder klimapositiv ist und der Rest der Welt prokrastiniert.“ – Dario Lanz

HDT-Journal: Zu den Referenzprojekten Ihres Unternehmens gehört mit Feldheim Deutschlands erstes energieautarkes Dorf. Kann es sein, dass man in regionalen Einheiten insgesamt schon viel weiter ist, sodass die Energiewende also quasi als Graswurzelbewegung besser und schneller klappt als im großen Maßstab staatlicher Planung und Verordnung? 

Dario Lanz: Das Projekt Feldheim ist ein Beispiel dafür, was möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen. Die Kooperation zwischen der Stadt Treuenbrietzen, den Anwohnern des Ortsteils, der Agrargenossenschaft Fläming e. G. und der Energiequelle GmbH machte dieses Projekt erst möglich. Normalerweise gibt es eine Trennung zwischen Stromerzeuger, Stromlieferer und Stromkunden. Feldheim hat sein eigenes Stromnetz und kann die Infrastruktur so an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Das eigene Stromnetz von Feldheim führt dazu, dass die, normalerweise anfallenden Netzentgelte, die an den Übertragungsnetzbetreiber gezahlt werden müssen, entfallen.

Hohe Regularien, ungenügende Förderungen und Grünststromprivilegien erschweren Projekte nach dem Vorbild Feldheims. Die gesetzlichen Voraussetzungen in Deutschland sind nicht überall gleich. Zudem haben sich die rechtlichen Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren geändert. Das führt auch dazu, dass das Feldheimer System nicht auf beliebige andere Kommunen übertragbar ist. Die Übertragungsnetzbetreiber profitieren nicht davon, wenn Kommunen Ihr eigenes Netz betreiben. Dementsprechend besteht hier kein Wille der Veränderung.

Ich sehe in Bürgerbeteiligungen in Verbindung mit Windkraft- und speicherbegünstigenden Gesetzen eine Möglichkeit, dass mehr solcher Projekte umgesetzt werden können. Über die Bürgerbeteiligung können Menschen im direkten Umfeld der Windenergieanlagen davon profitieren. Hier müssen die politischen Weichen dementsprechend gestellt werden. Die Bundesregierung schafft die gesetzliche Rahmenbedingungen der erneuerbaren Energien und Versorgungssicherheit. Sie hat es in der Hand, ob Deutschland auch für Windenergieanlagenhersteller und Projektierer wieder ein fruchtbarer Boden wird. Die Nutzung der erneuerbaren Energien liegt im überragenden öffentlichen Interesse (Osterpaket 2022). Die Nutzbarkeit geht aber nur über Dezentralisierung und Verringerung gesetzlicher Vorschriften. 

HDT-Journal: Abschließend eine Frage zu Ihrer ganz persönlichen Einschätzung. Sind Sie zuversichtlich, dass die Energiewende in Deutschland und das Erreichen der Klimaziele insgesamt mit der gebotenen Schnelligkeit gelingt? Was sollte noch getan werden, um hier abgesehen vom Bürokratieabbau die Dinge zu beschleunigen? 

Dario Lanz:  Ich bin optimistisch, dass wir die Energiewende in Deutschland hinbekommen. Leider brauchte es einen Krieg, der uns zur Beschleunigung des Ausbaues der regenerativen Energien anregt. Da Deutschland noch von Gas und Kohle abhängig ist und die Gasfrage mit dem Krieg einher kam wurden hier eine Vielzahl von gesetzlichen Beschleunigungsmaßnahmen wie das Wind-an-Land-Gesetz verabschiedet. Die Änderungen der komplexen Gesetzesstrukturen müssen jedoch erst einmal von den Behörden, Projektierern, Anlagenherstellern und sonstigen Akteuren verstanden und umgesetzt werden. Das braucht bedauerlicherweise seine Zeit, zumal die letzten Regierungen die Energiewende immer wieder verlangsamt und torpediert haben. Wir hätten vor 15 Jahren bereits das Wind-an-Land-Gesetz beschließen sollen.

Mit meiner Berufswahl unterstreiche ich meinen Optimismus: Zugleich ist es wichtig, dass wir auch global denken. Der Klimawandel wird nicht verlangsamt, wenn nur Deutschland klimaneutral oder klimapositiv ist und der Rest der Welt prokrastiniert. Costa Rica kann hier mit fast 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien als Vorbild fungieren. Deutschland kann aber meiner Meinung nach immer noch eine Vorreiterrolle einnehmen, andere Länder inspirieren und das Produkt „Energiewende Made in Germany“ exportieren. Nicht zuletzt brauchen wir hierfür engagierte Menschen, die z. B. eine Ausbildung oder eine Weiter- oder Fortbildung im Bereich der erneuerbaren Energien, in Behörden, Netzbetreibern etc. anstreben. Wie in vielen Branchen trifft auch uns der Fachkräftemangel. Die Regierung kann mehr Flächen ausweisen und die Ausschreibungsvolumen nach oben schrauben, wenn uns aber die Leute fehlen, die die Gutachten anfertigen, die Genehmigungsanträge erstellen, die Genehmigungsverfahren führen und letztendlich die Anlagen errichten und in Betrieb nehmen, kommen wir leider auch nicht voran.

Neben der Stromproduktion sollten wir auch Energie- und Ressourceneinsparungen ins Auge fassen – denn jede nicht erzeugte Kilowattstunde reduziert aktuell die Abhängigkeit von anderen Ländern und senkt die Energiepreise. In den Weltmeeren schwimmen zudem gigantische „Plastik-Kontinente“, Müllhalden wie z. B. die Deponie Agbogbloshie in Ghana verseuchen die Umwelt mit ihrem Elektroschrott und die empfindliche Humusschicht der landwirtschaftlich beackerten Felder droht durch Pestizideinsatz gänzlich zu verschwinden.

Es ist also noch eine Menge zu tun. Wir stellen uns sehr gerne dieser Herausforderung und möchten Teil der Lösung sein.

HDT-Journal: Herr Lanz, wir danken Ihnen für die ausgesprochen spannenden und ausführlichen Antworten, wünschen Ihnen für Ihre Arbeit weiterhin guten Erfolg und hoffen, dass Ihre Anregungen Widerhall finden.

Die Fragen stellte Michael Graef.

Weitere Informationen:
Energiequelle GmbH
www.energiequelle.de

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