Strahlenschutz zwischen Wissen und Verantwortung – ein Interview mit Karin Fiebach-Dorr
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Strahlenschutz zwischen Wissen und Verantwortung – ein Interview mit Karin Fiebach-Dorr

Anlässlich ihres Abschieds als langjährige Referentin im Bereich Strahlenschutz sprachen wir mit Karin Fiebach-Dorr.

Seit August 1988 engagiert sich Karin Fiebach-Dorr als Referentin für Strahlenschutz beim Haus der Technik (HDT). Über Jahrzehnte hat sie die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften begleitet und dazu beigetragen, physikalische Grundlagen und strahlenschutzgerechtes Handeln in die berufliche Praxis zu übertragen. Es war ihr in all den Jahren ein persönliches Anliegen, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern Verständnis für den verantwortungsvollen Umgang mit ionisierender Strahlung zu schaffen.

HDT-Insights: Frau Fiebach-Dorr, Sie sind seit August 1988 als Referentin beim Haus der Technik tätig. Wie kam es dazu?

Fiebach-Dorr: Auslöser war die Novellierung der Röntgenverordnung im Jahr 1988, durch die neue Anforderungen an die Qualifikation von Personen im Umgang mit Röntgenstrahlung entstanden. Das Haus der Technik plante entsprechende Kurse, insbesondere für Medizinische Fachangestellte. Ich wurde von Prof. Otto angesprochen, an diesem neuen Ausbildungsangebot mitzuwirken. Aus meiner klinischen Tätigkeit brachte ich bereits selbst erstellte Arbeitsunterlagen zu Einstellparametern und zur praktischen Anwendung mit. So begann Ende August beziehungsweise Anfang September 1988 meine Referententätigkeit – mit einem der ersten Kurse dieser Art beim HDT.

HDT-Insights: Was war für Sie persönlich der größte Erfolg Ihrer langjährigen Lehrtätigkeit?

Fiebach-Dorr: Besonders erfüllend war es, wenn Teilnehmende nach zunächst anspruchsvollen physikalischen Zusammenhängen sagten: „Jetzt habe ich das endlich verstanden.“ Themen wie Bildentstehung, Bildqualität, Messkammern und die physikalischen Grundlagen der Röntgentechnik sind nicht immer leicht zugänglich. Wenn es gelang, Verständnis zu schaffen, Fehlvorstellungen zu korrigieren und Sicherheit im praktischen Handeln zu fördern, war das für mich ein großer Erfolg.

HDT-Insights: Was hat Sie am Strahlenschutz über all die Jahre fasziniert?

Fiebach-Dorr: Mich hat besonders die Verbindung von physikalischem Verständnis und praktischer Verantwortung interessiert. Strahlenschutz war in der klinischen Arbeit bereits lange vor seiner umfassenden gesetzlichen Regelung ein wichtiges Thema. Entscheidend waren schon damals grundlegende Prinzipien wie Abstand, Abschirmung, Aufenthaltszeit und eine sachgerechte Anwendung der Röntgentechnik. Die gesetzlichen Anforderungen haben diese Verantwortung weiter konkretisiert. Für mich blieb dabei immer zentral, die physikalischen Grundlagen zu verstehen und daraus die richtigen Konsequenzen für die Praxis abzuleiten.

HDT-Insights: Welche Erinnerungen an die Ausstattung und die praktische Ausbildung am Haus der Technik sind Ihnen besonders geblieben?

Fiebach-Dorr: Eine besondere Rolle spielte für mich der Aufbau der Dunkelkammer mit ihren Entwicklungsmöglichkeiten. Wir begannen mit der Filmentwicklung in Tanks und konnten später mit einer kleineren Entwicklungsmaschine und unterschiedlichen Filmtypen arbeiten. Dadurch ließen sich Unterschiede in der Bildqualität und Aspekte der Konstanzprüfung anschaulich vermitteln. Auch die technische Ausstattung des Unterrichtsbereichs ermöglichte praxisnahe Übungen. Mir war wichtig, dass die Teilnehmenden nicht nur theoretisch lernten, sondern technische Zusammenhänge selbst nachvollziehen konnten.

HDT-Insights: Sie haben über Jahrzehnte zahlreiche Fachkräfte ausgebildet. Was bedeutet Ihnen diese Wissensweitergabe?

Fiebach-Dorr: Es war schön zu erleben, wenn die Teilnehmenden ein besseres Verständnis für die Anwendung der Röntgentechnik entwickelten. Eine Röntgenaufnahme entsteht nicht einfach dadurch, dass man eine Einstellung vornimmt und einen Knopf drückt. Die Untersuchung muss an die jeweilige Situation angepasst werden. Das betrifft beispielsweise Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen sowie zwischen Patienten mit unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen. Auch eine sachgerechte Einblendung ist wichtig. Wenn die Teilnehmenden solche Zusammenhänge verstanden und in ihre tägliche Arbeit mitnahmen, hatte die Ausbildung einen konkreten Nutzen für den Strahlenschutz und die Patientenversorgung.

HDT-Insights: Der Strahlenschutz hat sich fachlich und technisch stark weiterentwickelt. Wie haben Sie diesen Wandel erlebt?

Fiebach-Dorr: Ich habe erlebt, wie sich gesetzliche Anforderungen, technische Möglichkeiten und Ausbildungsinhalte im Laufe der Zeit verändert haben. Gleichzeitig sind die physikalischen Grundlagen und das Prinzip eines verantwortungsvollen Umgangs mit Strahlung unverändert bedeutsam geblieben. Für die Lehre bedeutete das, neue Entwicklungen aufzugreifen und sie mit den Grundlagen zu verbinden. Entscheidend war für mich immer, fachliche Veränderungen nicht nur zu vermitteln, sondern ihre Bedeutung für die praktische Arbeit verständlich zu machen.

HDT-Insights: Was werden Sie an Ihrer Tätigkeit als Referentin besonders vermissen?

Fiebach-Dorr: Besonders in Erinnerung bleiben mir der Austausch mit den Teilnehmenden und die Momente, in denen während des Unterrichts ein echtes Verständnis für zunächst schwierige Inhalte entstand. Wenn Fragen in die richtige Richtung führten, Zusammenhänge deutlich wurden oder Teilnehmende rückmeldeten, dass sie viel gelernt hatten, war das sehr motivierend. Diese unmittelbare Resonanz und die Möglichkeit, Wissen praxisnah weiterzugeben, haben meine Tätigkeit wesentlich geprägt.

HDT-Insights: Welchen Rat möchten Sie jungen Menschen mitgeben, die heute im Strahlenschutz arbeiten oder das vorhaben?

Fiebach-Dorr: Die physikalischen Grundlagen sollten nicht als bloße Theorie betrachtet werden. Wer versteht, wie Röntgenstrahlung entsteht, wie die Bildqualität beeinflusst wird und welche Faktoren für den Strahlenschutz entscheidend sind, kann verantwortungsbewusster handeln. Wichtig ist, Zusammenhänge zu hinterfragen, sorgfältig zu arbeiten und die jeweilige Patientensituation zu berücksichtigen. Fachwissen entfaltet seinen Wert erst dann vollständig, wenn es in der Praxis richtig angewendet wird.

HDT-Insights: Frau Fiebach-Dorr, wie würden Sie Ihre Zeit im Strahlenschutz in einem Satz zusammenfassen?

Fiebach-Dorr: Es war eine lange und erfüllende Zeit, in der ich mein Wissen weitergeben, Entwicklungen begleiten und hoffentlich vielen Menschen helfen konnte, den Strahlenschutz besser zu verstehen und verantwortungsvoll anzuwenden.

Die Fragen stellte Benjamin Josten M.Sc., stellv. Leiter Fachbereich Strahlenschutz im HDT.

Ein herzlicher Dank des Hauses der Technik

Mit Karin Fiebach-Dorr verabschiedet das HDT eine Referentin, die seit August 1988 die Aus- und Weiterbildung im Strahlenschutz mit großer fachlicher Erfahrung und persönlichem Engagement geprägt hat. Ihre Arbeit steht beispielhaft für eine praxisorientierte Wissensvermittlung, die wissenschaftliche Grundlagen mit den Anforderungen des beruflichen Alltags verbindet.

Der besondere Verdienst von Karin Fiebach-Dorr liegt darin, komplexe physikalische Zusammenhänge verständlich gemacht und den Blick für die Bedeutung eines verantwortungsvollen Strahlenschutzes geschärft zu haben. Damit hat sie nicht nur Fachwissen vermittelt, sondern auch das Bewusstsein für dessen Bedeutung in der Patientenversorgung gestärkt.

Das Haus der Technik dankt Karin Fiebach-Dorr herzlich für ihre langjährige Verbundenheit, ihre fachliche Kompetenz und ihren unermüdlichen Einsatz. Für den kommenden Lebensabschnitt wünschen wir ihr alles Gute, Gesundheit und viele erfüllende Momente.

Bildhinweis: © HDT 

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